Im neuen Rainbow Career Book 2026/27 ist unser Vorstand Falko Jentsch im Interview zu lesen. Darin spricht er ĂŒber queeres Leben in Sachsen-Anhalt, ĂŒber Sichtbarkeit im Berufsalltag, ĂŒber Community als Wahlfamilie und darĂŒber, wie viel Kraft, Zeit und Verantwortung ehrenamtliches Engagement bedeutet.
Falko gibt seit ĂŒber zehn Jahren unglaublich viel fĂŒr den CSD Magdeburg e.V. und fĂŒr queere Strukturen in Sachsen-Anhalt. Neben seinem Berufsleben bringt er sich mit Herz, Ausdauer und klarer Haltung fĂŒr Sichtbarkeit, Sicherheit und politische Teilhabe queerer Menschen ein. Das ist nicht selbstverstĂ€ndlich â und es zeigt, wie viel ehrenamtliches Engagement bewegen kann.
Gerade deshalb ist uns der Rainbow Career Day so wichtig. Queere Menschen sollen im Berufsleben nicht unsichtbar bleiben mĂŒssen. Sie sollen Arbeitgeber*innen finden, die Vielfalt nicht nur behaupten, sondern leben. Und Unternehmen sollen verstehen, wie wichtig sichere, offene und diskriminierungsarme Arbeitswelten sind.
Der Rainbow Career Day bringt queere Arbeitnehmerinnen, Talente, FachkrĂ€fte und weltoffene Arbeitgeberinnen zusammen â und schafft damit genau die RĂ€ume, die wir brauchen: fĂŒr Austausch, Chancen, Sichtbarkeit und echte VerĂ€nderung.
Danke an Rainbow Career Services fĂŒr die Möglichkeit, diese Perspektiven sichtbar zu machen. đ
https://rainbow-career.de/karrierehandbuch/







Queer Voices: Die RCS im Interview mit Falko Jentsch
âSichtbarkeit ist wichtig, auch wenn sie manchmal Mut kostetâ
Rainbow-Career-Services (RCS):
Falko, wir freuen uns auf den Austausch mit dir. Du lebst als geouteter schwuler Mann (mit deinem Prinzen zusammen) in den neuen BundeslĂ€ndern. Hand aufs Herz: Wie oft gehst du vor die TĂŒr und du machst dir Gedanken, wie (un-)gefĂ€hrlich dein Tag werden könnte?
Falko Jentsch (FJ):
Ehrlich gesagt: öfter, als ich mir das wĂŒnschen wĂŒrde. Es ist kein permanentes AngstgefĂŒhl, aber eine stĂ€ndige Wachsamkeit. Man scannt RĂ€ume, achtet auf Blicke, auf Situationen, auf Orte. Gerade in lĂ€ndlicheren Regionen oder abends. Das gehört leider immer noch zum Alltag vieler queerer Menschen â auch zu meinem. Gleichzeitig versuche ich, mich davon nicht bestimmen zu lassen. Sichtbarkeit ist wichtig, auch wenn sie manchmal Mut kostet.
RCS:
Du bezeichnest die queere Community als dein Zuhause, deine Familie. Seit wann empfindest du so und war der Weg dorthin â also auch zu deinem Outing â fĂŒr dich einfach, oder eher steinig?
FJ:
Die queere Community ist ĂŒber Jahre zu meiner Wahlfamilie geworden. Das kam nicht von heute auf morgen. Mein Outing war kein einmaliger Moment, sondern ein Prozess â mit Höhen und Tiefen. Es gab UnterstĂŒtzung, aber auch Zweifel, innere KĂ€mpfe und Ă€uĂere HĂŒrden. Gerade deshalb bedeutet mir Community heute so viel: ein Ort, an dem man nicht erklĂ€ren muss, wer man ist. Ein Ort, an dem man getragen wird â auch dann, wenn es drauĂen rauer wird.
RCS:
Du bist Vorstand beim CSD Magdeburg und Sprecher des CSD Sachsen-Anhalt e.V. â das machst du alles ehrenamtlich. In deinem eigentlichen Berufsleben bist du als Vertriebsmitarbeiter im AuĂendienst. Wie schaffst du es, das zeitlich zu kombinieren? Musstest du in deinem Berufsalltag schon einmal queerfeindliche Erfahrungen machen und wenn, wie bist du damit umgegangen?
FJ:
Zeitlich ist das ehrlich gesagt oft eine Herausforderung. Viel Organisation, viele Abende, viele Wochenenden. Ohne gute Selbstorganisation und ein unterstĂŒtzendes Umfeld wĂ€re das nicht machbar.
Queerfeindliche Erfahrungen im Berufsleben gab es durchaus â mal subtil, mal direkter. FĂŒr mich war wichtig, klar zu bleiben: Grenzen zu setzen, VerbĂŒndete zu suchen und mir bewusst zu machen, dass das Problem nie bei mir liegt. Sichtbarkeit im Job kann anstrengend sein, aber sie kann auch etwas verĂ€ndern.
âSichtbarkeit im Job kann anstrengend sein, aber sie kann auch etwas verĂ€ndernâ
RCS:
Die CSDs mĂŒssen aktuell in Deutschland aus unterschiedlichen GrĂŒnden schwierige Phasen ĂŒberstehen. Wie siehst du das: Sinken in Teilen die Besuchendenzahlen aus MĂŒdigkeit einzelner Gruppierungen vielleicht, oder aus Angst vor der rechten Szene? Oder aus beidem? Andere GrĂŒnde?
Auch gibt es innerhalb der LGBTQIA+ Community Stimmen, die Formate wie die Paraden ablehnen, weil sie zu ĂŒberkommerziell geworden sind/wĂ€ren â und stattdessen zu wenig im originĂ€ren aktivistischen Kontext. Wie steht der CSD Magdeburg/Sachsen-Anhalt dazu? Am Ende muss âdie Musikâ ja auch irgendwer bezahlen, und Auflagen wie zur Sicherheit werden ja nicht weniger.
FJ:
Es ist eine Mischung aus allem. Die gesellschaftliche Verunsicherung ist spĂŒrbar, rechte Bedrohungen sind real â und das wirkt sich auf Teilnahmemotivation aus. Gleichzeitig gibt es innerhalb der Community berechtigte Diskussionen ĂŒber Inhalte, Sichtbarkeit und Kommerz.
Unsere Haltung ist klar: Der CSD ist politischer Protest, kultureller Ausdruck und Community-Fest. Sicherheit, Technik und Infrastruktur kosten Geld â das lĂ€sst sich nicht wegdiskutieren. Entscheidend ist Transparenz, Haltung und dass queere Stimmen im Mittelpunkt stehen. FĂŒr uns ist der CSD kein Event um des Events willen, sondern ein Werkzeug fĂŒr Sichtbarkeit, Schutz und politische Forderungen.
RCS:
Als Karrierehandbuch suchen wir auch immer nach Tipps fĂŒr unsere Lesenden. Outing am Arbeitsplatz eine gute Idee? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen und wann ist ein guter Zeitpunkt?
FJ:
Ein Outing am Arbeitsplatz kann befreiend sein â muss es aber nicht immer. Es gibt kein ârichtigâ oder âfalschâ. Wichtig ist: Sicherheit geht vor.
Ein gutes Umfeld, klare Antidiskriminierungsstrukturen und zumindest einzelne VerbĂŒndete sind hilfreiche Voraussetzungen.
Der richtige Zeitpunkt ist dann, wenn man sich selbst dazu bereit fĂŒhlt â nicht, wenn andere es erwarten. Und genauso legitim ist es, sich bewusst dagegen zu entscheiden. Selbstbestimmung heiĂt auch, wĂ€hlen zu dĂŒrfen, ob und wann man sichtbar ist.
RCS:
Lieben Dank Falko!
Das Interview fĂŒhrte Sebastian Krug.
Kurzprofil Falko Jentsch
Falko Jentsch ist queerer Aktivist, Organisator und Netzwerker aus Sachsen-Anhalt.
Als Vorstand des CSD Magdeburg e.V. und Sprecher des Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V. engagiert er sich seit vielen Jahren ehrenamtlich fĂŒr Sichtbarkeit, Sicherheit und politische Teilhabe queerer Menschen â insbesondere in ostdeutschen und lĂ€ndlichen Regionen.
Beruflich ist er im AuĂendienst tĂ€tig. Die queere Community versteht er als Wahlfamilie und als Ort gegenseitiger Verantwortung. Sein Engagement verbindet politische Arbeit, Bildungsprojekte und kulturelle Formate mit dem klaren Ziel, nachhaltige Strukturen fĂŒr queeres Leben zu schaffen.
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