Am Freitag ist das Team des CSD Magdeburg gemeinsam mit Vertreter*innen des Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V. in seine Klausurtagung gestartet. Vorstand und Beauftragte befinden sich dafür in Kołobrzeg/Kolberg (PL), um die Arbeit des Vereins für dieses wichtige Jahr und darüber hinaus zu besprechen.

Nach einem produktiven Auftakt wurde die Tagung in der ersten Nacht jedoch von einem gewalttätigen Vorfall überschattet. Wir waren gemeinsam an den Strand und zu einer Seebrücke gegangen, um kurz das Wasser und die Atmosphäre zu genießen. Aus der Dunkelheit trat plötzlich eine alkoholisierte Person auf unsere Gruppe zu und schlug unvermittelt einem Mitglied von uns gegen den Kopf, kurz darauf auch einer weiteren Person.

Den beiden gelang es zunächst, zurück zu unserer Gruppe zu fliehen. Wir waren insgesamt neun Personen und versuchten dann gemeinsam, die Seebrücke und diese für uns sehr schwierige Situation zu verlassen. Dabei kam es zu Verfolgungsszenen, weiteren Angriffen und erneuten Schlägen gegen unsere Gruppe. Eine Person ging dabei leider zu Boden und wurde verletzt. Dank der Hilfe einer Gruppe von Passanten, die den Angreifer aufhielten, konnten wir zum Glück den notwendigen Abstand gewinnen, damit wir die Möglichkeit hatten, die Polizei zu rufen.

Erst nach einiger Zeit gelang es, die Polizei dazu zu bewegen, einen Wagen zu schicken, um den Angreifer zurückzudrängen und die Situation zu sichern. Anschließend brachte uns die Polizei zurück zu unserer Unterkunft.

Glücklicherweise wurde niemand von uns schwer verletzt. Trotzdem sitzt der Schock tief, und das Erlebte hat uns stark mitgenommen. Solche Erfahrungen gehen nicht spurlos an einem vorbei. Es ist wichtig, das ernst zu nehmen, über Ängste und Unsicherheit zu sprechen und sich gegenseitig Halt zu geben.

Als Team stehen wir in dieser Situation eng zusammen, unterstützen uns gegenseitig und setzen unsere Klausurtagung trotz allem fort. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sagen: Auf einen solchen Moment waren wir nicht gut vorbereitet. Das ist eine schmerzhafte, aber wichtige Erkenntnis. Die Gefahr von Gewalt im Alltag ist real, auch wenn man sie gerne verdrängt. Daraus darf aber keine Panik entstehen, sondern mehr Bewusstsein, mehr Aufmerksamkeit und mehr gegenseitige Fürsorge.

Deshalb möchten wir unsere Erfahrung auch nutzen, um auf das Thema Sicherheit und Awareness aufmerksam zu machen. Selbstschutz ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. Dazu gehört, auf die eigene Umgebung zu achten, sich vorab zu orientieren, Notrufnummern zu kennen, Freund*innen oder Mitreisenden Bescheid zu geben, wohin man geht, und möglichst nicht isoliert unterwegs zu sein.

Ein ganz praktischer Hinweis, den wir aus dieser Situation mitnehmen: Teilt in einer Gruppe euren Standort miteinander, gerade wenn ihr unterwegs seid. Wenn man in einer Fluchtsituation auseinander gerät, sich verstecken muss oder den Überblick verliert, kann das enorm wichtig sein.

Und noch etwas ist uns wichtig: Wenn euch etwas passiert, holt euch Unterstützung — bei Freund*innen, bei der Polizei, bei Beratungsstellen oder Fachpersonal. Niemand muss so etwas allein verarbeiten.

Für uns bleibt klar: Verstecken ist keine Antwort. Aber Leichtsinn auch nicht. Wir wollen offen leben, sichtbar sein und füreinander einstehen — mit Mut, aber nicht ohne Schutz.

Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich, wie wichtig Community ist. Wir sind füreinander da, wir hören zu, wir unterstützen uns und wir lassen uns nicht auseinanderbringen. Auch unsere Tür steht Menschen offen, die Unterstützung, Austausch oder einfach einen solidarischen Raum brauchen.

Trotz dieses Vorfalls blicken wir nach vorn. Wir führen unsere Arbeit weiter, wir lernen aus dem Erlebten und wir setzen uns weiterhin mit aller Entschlossenheit für eine vielfältige, offene und solidarische Gesellschaft ein.

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